Der Mitarbeiter-Blog als Konzernkonkurrenz - Keiner denkt nach.

Gestern habe ich durch Zufall eine sehr interessante Geschichte entdeckt. Im Konzern XYZ aus Hamburg arbeitet die Journalistin Melanie (der Name ist natürlich geändert). Sie ist zuständig für die Themen Food & Ernährung und entwickelt für XYZ Rezepte, Diäten und allerhand interessante Ernährungsartikel. In ihrem Blog geht es darum, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Sie entwickelt allerhand kreative Rezepte und geht in ihrem Blog vollkommen auf. Global betrachtet ist der Blog mit wenigen Lesern nicht wirklich bedeutend und beim ersten Besuch wird deutlich, dass es der Person nicht um ein Business geht, sondern um eine ernst gemeinte und ehrliche Darstellung von Ideen – Rezeptideen halt. Anscheinend ist dies ihre Leidenschaft. Von außen betrachtet könnte man sogar meinen, dass sie ihr Hobby zum Beruf gemacht hat.

Vor einigen Tagen kam dann im Konzern XYZ heraus, dass eine Mitarbeiterin einen Blog schreibt und dies ja prinzipiell nicht erlaubt sei. XYZ reagiert sofort und alle Mechanismen der konzerneigenen Zuständigkeitspolitik funktionieren einwandfrei. Nach insgesamt ca. 10 Tagen gibt es von der Abteilungsleiterin ein kurzes Statement ohne jeglichen Zusatz.

Der Blog muss vom Netz. Das ist Konkurrenz für die Firma und steht so im Vertrag.

Was ist wirklich passiert und welche Auswirkungen hat dies? Diese Frage hätte sich zumindest eine der involvierten Führungspersonen von XYZ fragen können. Dann wäre eine Reaktion wie diese vielleicht gar nicht passiert. Ein unbedeutender Blog mit vielleicht wenigen hundert Lesern ist sicherlich keine ernstzunehmende Konkurrenz für einen Konzern – auch wenn es im Vertrag steht.

Wer seinen Mitarbeitern solche Freiräume nimmt, der schafft es auf Anhieb jegliche Motivation beim Mitarbeiter zu rauben. Der Mitarbeiter ist sauer auf den Chef, auf den Chef darüber, ja auf die ganze Firma. Wenn ein solcher Blog jetzt eine Herzensangelegenheit ist, was in diesem Fall so zu sein scheint, dann hat XYZ den Mitarbeiter nicht nur frustriert, sondern auch gekündigt. Ohne es zu wissen! Die Kündigung hat nämlich nur im Kopf des Mitarbeiters stattgefunden. Man spricht hier auch von innerlicher Kündigung. Die Folgen sind fatal. Der Mitarbeiter quält sich jeden morgen ins Büro und arbeitet sich mühsam und halbherzig durch die Arbeitsaufgaben. Das Unternehmen bezahlt ein Gehalt, bekommt aber kaum noch Leistung. Eine verzwickte Situation, die nicht hätte sein müssen.

Freiheiten für Mitarbeiter (wie z.B. der besagte Blog) zu verbieten, ist schlichtweg selbstzerstörerisch. Eine Alternative wäre: Man lässt die Mitarbeiter einfach machen. Und profitiert selbst! Die Kreativität und ein Raum zum Ausprobieren sind in einem Magazin mit einer tausendfachen Auflage nicht gegeben. In einem Blog schon. Die Journalistin geht diesen Weg und schafft es dadurch neue Ideen und Verbindungen zu testen und Feedback einzuholen. Dieses Wissen wird sie jeden Tag aufs Neue ins Büro tragen und dementsprechend bessere und vor allem innovativere Rezepte und Diäten entwickeln. In einer Branche, bei der Copy und Paste vom Marktführer oft zum Alltag gehört ein durchaus wertvoller Input. Ein Input, den XYZ nicht haben möchte.


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