Arbeitsvisionen 2025 - Wie sieht die Arbeitswelt in zehn Jahren aus?

Welche 3 Begriffe fallen Dir spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  • Eigenverantwortung,
  • Neugier
  • Flexibilität

Was verbindest Du mit diesen Begriffen? 

Wir alle werden eigenverantwortlich agieren müssen. Es geht darum, sich neuen Herausforderungen anzupassen und mit den Themen der Zeit umgehen zu können. Die Digitalisierung und Automatisierung schreitet immens voran. Dazu kommen immer höhere Belastungen physischer, als auch psychischer Art. Jedes Individuum muss in einer völlig neuen Welt für sich einen richtigen, gesunden und nachhaltigen Weg finden. Dabei ist die Neugier eine sehr wichtige Eigenschaft. Wer neugierig ist und die Welt entdecken möchte, der hat einen großen Vorteil: Er stagniert nicht, sondern geht voran!

2025 werden komplett andere Rahmenbedingungen vorherrschen und es werden Dinge von uns verlangt, die wir in Schule und Universität nicht gelernt haben. Mit einer gesunden Neugier können wir uns autodidaktisch weiterbilden und neue Kompetenzen entwickeln. Das führt zwangsläufig auch zu einer gewissen Flexibilität. Schon Darwin sagte, dass der Flexibelste einer Spezies überleben wird. Das gleiche gilt für die Arbeitswelt. Vielleicht ist ein Vertriebsteam gut in der Telefonakquise. Wenn wir allerdings in 2025 nicht mehr telefonieren, muss ich mir andere Kanäle aussuchen, um Umsatz zu generieren. Da keiner weiß, wie wir in 2025 wirklich kommunizieren und arbeiten, müssen wir uns Stück für Stück, also jeden Tag aufs Neue justieren. Flexibilität wird der Schlüssel zum Erfolg sein. Dies gilt natürlich nicht nur für das Individuum, sondern auch für Unternehmen. Nur wer die richtigen Rahmenbedingungen für seine Mitarbeiter schafft, wird am Markt bestehen.

Was denkst Du, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 

Eine Zukunftsprognose ähnelt einem Blick in die Glaskugel. Keiner weiß, wie wir in 10 Jahren arbeiten werden. Wir können allerdings aus dem hier und jetzt bestimmte Dinge erkennen, die sich wahrscheinlich weiter entwickeln werden. Der Rückgang des Sozialsystems und der Abkehr von festen Angestelltenverhältnissen wird dazu führen, dass wir mehr und mehr Unternehmer werden. Unternehmer für die eigene Person oder die Familie. Schon heute sind in Amerika 1/3 der Beschäftigten Freiberufler. In Deutschland werden es auch immer mehr. In 2025 werden mehr und mehr Menschen freiberuflich aktiv sein. Ich befürchte, dass selbst Akademiker einen zweiten oder sogar dritten Job annehmen, um einen gewünschten Lebensstandard zu erreichen. Wir werden aufgrund der Smartphones und Laptops mehr und mehr ortsunabhängig arbeiten können. Digitale Nomaden mögen heute eine extreme Randgruppe in der Arbeitswelt darstellen. In 2025 wird diese Art Arbeit und Leben zu verbinden für viele Menschen möglich sein. In den nächsten Jahren werden sich immer mehr Unternehmen gründen, indem sich Freunde zusammentun, weil es zwischenmenschlich passt. Zweckbeziehungen werden abnehmen und die Qualität der Geschäftspartner zunehmen. So werden Vertrauen und Loyalität für viele Freiberufler und Selbstständige wichtige Werte werden. Es gilt die Devise: Wer mich ausnutzt oder betrügt, kann mir gestohlen bleiben. Diese Veränderungen haben auch gravierende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, Werte und Normen. Und wieder mal gilt: Wer flexibel ist, wird überleben.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2004 bis heute, konkret verändert? Kannst Du ein paar Beispiele nennen?

Das Internet ist allgegenwärtig. Wir bewegen uns in der digitalen Welt so, als wenn es Smartphones und Co schon immer gegeben hätte. 2004 hätten wohl nur wenige prophezeit, wie wir heute konsumieren, kommunizieren und unser Privatleben managen. Dies haben viele Unternehmen unterschätzt. Einige „Big Player“ gingen insolvent oder verschwanden in die Bedeutungslosigkeit. Interessant ist vor allem, dass Branchen angreifbar wurden, die als unantastbar galten. Amazon liefert schon selbst die Ware aus und Fernbusse attackieren die Deutsche Bahn. Auch haben sich einige Jobs komplett verändert bzw. wurden abgeschafft. Das Investmentbanking sieht heute deutlich anders aus, als vor 10 Jahren. Computer reagieren nun mal um ein vielfaches schneller als der Mensch es jemals könnte. Auch wissenschaftliche Mitarbeiter müssen heute ganz anders und mehr „liefern“. Der Leistungsdruck nimmt zu und die kreative und wertstiftende Denke ab. Wer sich nicht anpasst, muss halt einen anderen Kurs einschlagen.

Warum ist das so? 

Die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen und Aufgaben hat viele Arbeitsplätze wegrationalisiert. Aber auch der Konsument hat völlig neue Möglichkeiten dazubekommen. Man kann heute innerhalb von wenigen Sekunden prüfen, ob etwas gut oder schlecht ist. Mittelmaß wird sofort durchschaut. Das verändert die Wirtschaft bahnbrechend. Dabei verändern sich auch die Werte. Früher ging man zu einem Fachgeschäft und schätzte die Meinung des Fachverkäufers. Heute kann ich mich in 15 Minuten Google weiterbilden, sodass ich die Kaufentscheidung alleine treffen kann. Die kostenlosen Blogs, Youtube-Kanäle oder Podcasts helfen mir dabei, sogar noch eine weitaus umfassendere Meinungsbildung zu erlangen. Was viele Unternehmen noch nicht verstanden haben: Der Kunde ist in der heutigen Zeit wirklich der König!

Was wünscht Du Dir persönlich für 2025 in Bezug auf Deine Arbeit?

Ich wünsche mir, dass ich genauso, wie alle anderen Menschen mit den Herausforderungen der nächsten Jahre umgehen kann. Ich hoffe, dass wir einen gesunden und sinnvollen Umgang mit einer sich weiter digitalisierenden Welt finden und die Unternehmenslenker clever genug sind, neue Wege zu gehen. Nur so können wir eine stabile Wirtschaft schaffen, in der wir unser Sozialsystem schützen können. Ich wünsche mir dabei nichts lieber, als auch in 10 Jahren noch als Comedian und Spreaker gewisse Dinge anzusprechen, um gewisse Impulse zu setzen. Wenn in 2025 auch nur eine Person ankommt und mir auf die Schultern klopft, werde ich weitermachen.

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